Burgunder Liebe
Eine Komödie von Wolfgang Palka
Personen
Brynhild
Gudrun
Gunnar
Högni
Sigurd
Bühne
Ein Saal; Säulen, Durchgänge; hinten – wechselnd – Prospekt; Möbel nach Bedarf
Aufführungsrechte
Alle Rechte vorbehalten
1. Wettkampf
(Brynhild wird von Frauen Frauenkleidung angezogen. Högni)
BRYNHILD
(sieht Högni)
Beute.
HÖGNI
Nein, der Schönheit höchste . . .
BRYNHILD
Beute, verkleidet.
(Pause)
HÖGNI
Nun, der Wettkampf . . .
BRYNHILD
Den ich verlor.
HÖGNI
Ja, Gunnars Beute, und . . .
BRYNHILD
Gunnar. Idiot!
HÖGNI
Ja ja –
BRYNHILD
Das weißt du?
HÖGNI
Am besten.
BRYNHILD
Und hast zugelassen, dass . . .
HÖGNI
Ich hab es eingefädelt.
(Pause. Brynhild beißt sich auf die Lippen)
BRYNHILD
Wusstest du, dass ich nicht treffen will??!
HÖGNI
Das wusste ich.
BRYNHILD
O, schlau!
HÖGNI
Es tut mir leid.
BRYNHILD
Ach!
HÖGNI
Und ich bereue.
BRYNHILD
Ach ja. –
(Pause)
Jetzt bin ich eingeweiht. Ins falsche Spiel.
Was hindert mich zu gehen?
HÖGNI
Nichts, wenn du gehen willst. Ich geh mit dir.
BRYNHILD
Wohin? Als was?
HÖGNI
Wohin du willst. Als was du willst.
Ich lass die Zwecke hinter mir für dich.
BRYNHILD
Und hoffst? Worauf?
HÖGNI
Ich lass die Zwecke hinter mir.
Alle Zwecke! – Du wirst nicht gehen.
BRYNHILD
Und – ich bin dein Feind. –
(Brynhild ist fertig angezogen, die Frauen entfernen sich)
Gunnar schoss. Er traf nicht gut. Kein Gegner.
Ich hab ihn gar nicht richtig wahrgenommen.
Nur den Geruch. Nun ja.
(Pause)
Mein Spiel und Sigurds Spiel.
Das dachte ich. Du standst nur lächelnd da.
Dein Spiel. Das du gewonnen hast.
HÖGNI
Es freut mich nicht.
BRYNHILD
Jetzt freuts dich nicht. Ein kleiner Schmerz.
Weil ich in diesem Kleid, besiegt, die Schöne bin?
Die du begehrst?
Doch dann, wenn dieser Schmerz vergangen ist,
bleibt das Geschäft.
(Pause)
Du kannst sie haben, alle Unterlagen, Formeln.
Mach was du willst damit.
Und glänzt Burgund mit meiner Wissenschaft,
soll glänzen. Ich weiß ja, was du willst.
Es interessiert mich nicht! Die Macht: Wozu? –
Dein Spiel? Gunnars Spiel! Er stinkt. Und geifert.
Das ist der König. Du ein Knecht.
HÖGNI
Ich brauche Ruhm nicht.
BRYNHILD
Ach, Macht im Hintergrund . . .
HÖGNI
Die ganze Macht. Das Wohl des Ganzen.
Der Staat. Gunnar, das ist nur eine Name.
Der Erbe, nichts weiter. Der nicht handelt.
Ein Bild. Von mir geformt.
BRYNHILD
Gib mir das Bild. Das Fleisch sperr weg.
Das Bild soll lecken. Und schaff mir
einen Erben aus Papier.
Das weiß der aber, dein besoffner König,
dass er liegen will auf mir.
Und wenn er sonst nichts weiß.
HÖGNI
Weißt du, er trinkt. Er fummelt nur.
Und schläft dann ein. Und träumt
von wilden Nächten.
BRYNHILD
Das ist mein Mann!
Ein impotenter Alkoholiker!
Dem schuld ich Treue!
Was bin ich? Was für ein Bild?
HÖGNI
Die Nachricht von der Treue.
Die Nachricht von der Vaterschaft.
BRYNHILD
Und du die Samenbank
für dieses Königskind?! Jetzt gleich,
willst du jetzt gleich?
(Sie reißt das Kleid hoch. Högni nähert sich ihr und will nach ihr greifen. Sie stößt ihn weg)
Ich bin dein Feind.
HÖGNI
Es ist nicht günstig, mein Feind zu sein.
BRYNHILD
Ach. Deine kleine Feindschaft.
Die mich vernichten kann: egal.
Der Staat egal. Der Erbe, Gunnar: egal.
Kannst du mich kränken? Oder Gunnar?
Ich bin gekränkt – nicht von euch.
HÖGNI
Von Sigurd!
BRYNHILD
Du weißt ja alles. Ich schoss ja in die Luft.
Ich wollte ja nicht kämpfen. ER bestand darauf.
Deine Regeln, sagte er, du willst es so.
Ich habe nicht auf ihn gewartet.
Ich hatte nichts von ihm verlangt.
Sein Schwur zurückzukehren und zu bleiben:
darüber hab ich nur gelacht.
Ich dachte oft an ihn. Und ohne Schmerz.
Diese Erinnerung . . .
Ich lebte. Und liebte. Ein Bild, ja, einen Traum.
Und eingezäunt hab ich den Traum
mit diesem Wettkampf. Wer mich besiegt,
erringt meinen Respekt, und der soll teilen,
was ich weiß, mit mir.
Mit einem solchen will ich Söhne haben,
Töchter, und genießen, was dieser Leib
genießen kann und dieser Kopf.
Nicht Liebe war der Preis.
HÖGNI
Du liebtest Sigurd.
BRYNHILD
Ja.
HÖGNI
Und keiner siegte.
BRYNHILD
Keiner.
HÖGNI
Er lebt hier im Exil.
BRYNHILD
Hat er erzählt von mir?
HÖGNI
Als er vom Wettkampf hörte.
BRYNHILD
Und dann dein Plan.
HÖGNI
Als er sich brüstete, er sei der einzige,
der dich besiegen kann.
BRYNHILD
Muss er sich brüsten?
HÖGNI
Als ich verzweifelt überlegte, wie
dein Wissen zu gewinnen wäre für Burgund.
BRYNHILD
Und war zu kaufen? Sigurd?
HÖGNI
War zu kaufen. Billig.
BRYNHILD
Billig. Verkauft an Gunnar. Mich!
HÖGNI
An Gunnar nicht . . .
BRYNHILD
Ich weiß, verkauft dem Staat.
Aber zuzeln wird Gunnar. –
Warum geh ich nicht fort?
HÖGNI
Ich möchte, dass du gehst.
Ich möchte, dass du bleibst.
BRYNHILD
Ach!
HÖGNI
Ich muss dich halten für Burgund.
Und wenn ich meine Seele retten will,
jag ich dich fort.
BRYNHILD
Deine Seele . . .
HÖGNI
Was du bringst, gibt uns die ganze Macht.
Die volle Überlegenheit. Und dennoch.
BRYNHILD
Warum versuchst du nicht,
mich nocheinmal zu überlisten?
HÖGNI
Ich kann nicht! Ich kann nicht!!
BRYNHILD
Dir trau ich nicht. Es geht ja weiter,
denkst du dir, vielleicht ist da noch mehr:
in ihrem Kopf, an Möglichkeit,
was noch nicht festgehalten ist,
noch nicht verfügbar.
Und wenn sie trotzt, was zu erwarten ist:
sie kehrt zurück zu ihrer Arbeit,
wenn die Kränkung ausgestanden,
aus Gewohnheit. Und arbeitet für dich.
Den Staat. Hast du das so gedacht?
HÖGNI
So hab ich nicht gedacht.
BRYNHILD
Ich seh dich hinterm Monitor, verschanzt.
Dort drehst und drückst du an den Knöpfen.
Und starrst den Bildschirm an: die Welt,
wie du sie siehst, und was du wissen willst
von dieser Welt, ist eingespeichert,
wird dort sichtbar: Ausschnitt vom Ausschnitt.
Du liebst nicht, wenn du sagst, du liebst.
Und wenn du glaubst, du liebst,
dann ist es immer noch nicht Liebe.
Was ist denn Liebe überhaupt? Und Leben?
Schnittstellen. Körper. Es geht nur einfach weiter.
Irgendwie! Was?! Was?!
Nicht zu ertragen: dein Ausschnitt von der Welt.
Gefühl ist nur ein Säuseln, ziellos. Bruchstück. Gebein.
Begehren nur Funktion. Geräusch: dies Keuchen:
wie Katzen, wenn sie brünstig schrein.
Und laufen in die Axt. Wer führt die Axt? Wer?
Kein Ich, kein Denken, kein Gefühl, das in sich ruht.
Ganz ohne Mittelpunkt und leer . . .
Nein nein – du wartest ab.
Und schwätzt ein wenig, alte Wörter.
Niemand ist standhaft, denkst du.
Niemand ist jemand. Und eine Frau,
ein Felsen, eine Mutter, ein Schatten, süß,
die Sonne leckt an ihrem Fleisch,
die breitet sich nur über dich, berührt,
zur Notdurft, befriedigt, abgeschlagen Rotz:
die nächste Generation.
Ein jeder nur Objekt und jede. So fallen denn
Objekte durcheinander und verbrauchen sich.
Nach keinem Plan. Der Kreislauf der Natur
ist ja kein Plan. Und wenn die Erde platzt,
verlischt ein Stern. Nur Träume.
Träume von Träumen. Eingesenkt in mich
ein Traum und noch ein Traum und auch ein Sehnen.
Von niemand eingesenkt, nur da,
denn auch das Fleisch schlägt Funken. –
So groß ist das Gefühl, so bunt,
und ICH in dem Gefühl, und einmal noch
blas ich in diese Welt den Mord . . .
HÖGNI
Mord?
BRYNHILD
Frag nicht.
(Stille)
HÖGNI
Er ist ein großer Mann, ein König im Exil.
Und unverwundbar.
BRYNHILD
Winseln soll er. Um Erbarmen.
Ich lach ihn tot.
HÖGNI
Er hat den Ring.
BRYNHILD
Du willst den Ring.
HÖGNI
Den will ich haben.
BRYNHILD
Der Ring ist stumpf an seiner Hand.
HÖGNI
Und einen Schatz hat er vergraben.
BRYNHILD
Erzählt er das?
HÖGNI
Man hörts.
BRYNHILD
Gerücht, das hat er selbst erfunden.
Hast du den Ring gesehen, den Schatz?
HÖGNI
Nein.
BRYNHILD
Aber schon rechnest du damit.
HÖGNI
Mit diesem Ring und diesem Schatz,
mit dir, mit deiner Wissenschaft,
und mit den Früchten, die das Land so üppig trägt,
der Bauern Stolz, mit all dem Fleiß,
den auch die Städter bündeln für dies Land,
das seine Zukunft fügen muss der Stärke . . .
BRYNHILD
Stärke wofür? Um Schwäche
ganz zu schwächen?
HÖGNI
Der Wohlstand, die Wohlfahrt,
und die Freiheit!
BRYNHILD
Das ist zu dumm. Das heißt nichts. –
Still! Bin ich frei?
HÖGNI
Gleich ist nicht jeder, doch das ganze Volk . . .
BRYNHILD
Es gibt kein ganzes Volk.
Ach, lass es! Erklär mir nichts.
Du kannst nichts spucken,
was ich nicht schon weiß:
so redet jeder. Dreck!
(Pause)
HÖGNI
Willst du den Preis nicht wissen?
Sigurds Preis?
BRYNHILD
Um den er mich verkauft hat? Billig.
HÖGNI
Ja, billig. Eine Heirat.
Gunnars Schwester Gudrun ist der Preis.
(Pause. Brynhild atmet schwer, enttäuscht)
BRYNHILD
Was will er mit dem Weibchen?
Was mit Burgund? Er kennt mich nicht.
Gelüstet ihn nach Macht und Beute:
schießt die Taube für die Hirschkuh,
erobert eine Hütte:
ich bringe ihm die Welt ohne Handstreich.
Ein Dummkopf. Ein Held. Funken, Funken!
Ein Idiot! Der nur begriffen hat,
dass ich die Welt nicht will.
Wär er, wie ich träumte, dass er ist,
braucht er die Hütte nicht einmal.
Soll haben Gudrun, Gunnars Schwester,
und verflucht sein.
2. Pfosten
(Sigurd. Gudrun)
GUDRUN
Liebst du mich?
SIGURD
Ja.
GUDRUN
Liebst du mich wirklich?
SIGURD
Ja.
GUDRUN
Küss mich, Liebster. –
Liebst du mich auch mit allen Fasern?
SIGURD
Und Scharnieren.
GUDRUN
Lass greifen.
SIGURD
Hochzeitsnacht . . . Hochzeitsnacht . . .
GUDRUN
Ich will es jetzt, jetzt, jetzt. Ein Pfosten!
Ich nehm ihn in den Mund, er wird wie Eisen,
aber heiß, stahlhart und zart!
SIGURD
Ach, Liebste, nein. Es muss gewartet werden.
Du bist ja nicht ein Kind der Berge,
Prinzessin bist du, Königin!
So hast du eine Pflicht auf Erden,
bei der ich dein Gefährte bin.
GUDRUN
Ich will nicht mehr warten! Ich halte
das Warten nicht mehr aus!
Immer muss ich warten und warten und warten!
Immer! Gibs mir jetzt, jetzt, jetzt, Liebster,
stoß den Bolzen mir ins Herz,
das dran zerplatzen will!
SIGURD
Geduld, Liebste, Geduld muss sein.
Noch ein paar Tage.
Dann lassen wir es schön platzen.
Ich versprechs.
GUDRUN
Nimm mich fort von hier, Sigurd,
mein Held, nimm mich fort, wir fliehen,
in die Wälder, durch die Auen,
auf Bergeshöhen, dort, wohin uns
niemand folgen kann
und kein Gesetz uns hindert.
Dort lieben lieben lieben . . .
SIGURD
Wir bleiben. Wir warten ab.
GUDRUN
Du liebst mich nicht!
SIGURD
O, ich liebe dich. Aber ich will mich
an die Regeln halten diesmal, es ist wichtig.
Ich will keinen Fehler machen.
Nichts riskieren vor der Zeit.
GUDRUN
Aber was fürchtest du? Du bist unverwundbar.
Du hast den Ring, den Schatz, die Kraft.
SIGURD
Ja ja. Und trotzdem.
GUDRUN
Du liebst mich nicht.
SIGURD
Doch, ich liebe dich. Und muss
in Sehnsucht harren, noch eine kleine Weile.
GUDRUN
Spürst du nicht, wie ich zittere?
SIGURD
Ach, Gudrun, zittre zittre nicht!
GUDRUN
Spürst du nicht, wie mir der Schweiß
herunterrinnt am Körper?
Waschelnass, Sigurd! Ich brenne, nass,
Sigurd, wie leb ich jetzt weiter, o, mein Held,
so halt mich fest, mein Mann!
(Högni kommt)
HÖGNI
Verzeih, Gudrun.
GUDRUN
Was willst du denn?
HÖGNI
Geh bitte auf dein Zimmer.
Ich hab zu reden mit Sigurd.
GUDRUN
Was ich nicht hören soll?
HÖGNI
Geschäfte, Gudrun, nichts für dich.
GUDRUN
Geschäfte, Regeln, Gesetze, Scheiße!
HÖGNI
Gudrun!
GUDRUN
Darf ich nicht sagen, was?!
Aber ich sage, was ich will.
Ich lasse mich von dir nicht unterdrücken!
SIGURD
Geh bitte, Gudrun.
GUDRUN
Aber . . .!
SIGURD
Wir sehen uns beim Essen. Bitte geh!
(Er schiebt sie hinaus)
HÖGNI
Danke.
SIGURD
Manchmal ist sie so ordinär.
HÖGNI
Hysterisch.
SIGURD
Ja, unangenehm. –
Was ist zu besprechen?
HÖGNI
Die Heirat.
SIGURD
Ein Geschäft?
HÖGNI
Was sonst?
SIGURD
Als ich warb um Gudrun,
hast du mir abverlangt den Dienst,
den ich erledigt habe, gut erledigt.
So ist die Werbung angenommen. Ich hab bezahlt.
Jetzt ist, was sie von Anfang war,
die Liebe wieder nur die Liebe.
Der Preis war hoch, viel höher, als ich dachte.
Jetzt bin ich frei.
Und nie mehr nenn es ein Geschäft.
HÖGNI
Da ich die Aufsicht habe übers Ganze,
wie du weißt, bin ich auch der, der zusieht,
dass die Regeln eingehalten werden.
SIGURD
Ich hab sie nicht verletzt.
HÖGNI
Ihr wart verzahnt! Und geil!
SIGURD
Bin ich nicht Sigurd?! Ein König!!?
Ich bin nicht einer deiner Knechte,
die wie Hunde auf die Weiber springen!!
Ich weiß zu warten.
HÖGNI
Dann ist es gut. Dann hab ich nichts gesagt.
SIGURD
Und wenn du auch die Aufsicht hast,
so bist du doch nur ein Beamter! Ich handle.
Du schleckst den Aktenstaub. Ein Jäger: ich.
Kränk mich nicht, sonst schlag ich dir
den trockenen Schädel ein!
HÖGNI
(sieht Sigurd lange an)
Ich lieb die Helden. Also lieb ich dich.
Das Volk braucht Helden. Die sich verströmen.
In großen Taten, großen Worten.
SIGURD
Was?!
HÖGNI
Nach Nützlichkeit teil ich es ein.
Sympathie, nun ja! Liebe, nun, ein Luxus.
Den ich mir nicht leisten kann.
SIGURD
Ein armer Hund, der gute Kanzler!
HÖGNI
Reich, wenn dieses Land nicht darbt, wenn dieses
Volk in Ordnung und in Freiheit produziert und sich
erfreut an den Produkten, wenn dieser Staat
als starker, kluger Staat, das Volk beschützen kann,
nach außen und nach innen.
Das Heldentum der Arbeit schätze ich
am höchsten ein. Helden wie du
sind nützlich oder nicht. Du bist sehr nützlich,
Lieber, und ich schätze das in hohem Maße.
Doch droh mir lieber nicht. Es könnte sein,
ich nehme diese Drohung als Bedrohung:
nicht meiner Position: Bedrohung dieses Ganzen,
das ich leite. Dann zählt Bewundern nicht mehr.
Und Nützlichkeit schlägt in ihr Gegenteil.
Und dann bekämpf ich dich, bis einer unterliegt.
Ich kann nicht unterliegen. Als Mann
bist du mir überlegen, könnte sein. Doch den
Beamten fürchte, wenn du drohst, die Regeln brichst,
dir nimmst, was dir nicht zusteht.
SIGURD
Ich hab den Ring. Ich fürchte niemand.
HÖGNI
Der Ring ist stumpf an deiner Hand.
Wenn du ihn hast.
SIGURD
Ist stumpf?
HÖGNI
Sagt Brynhild.
SIGURD
Brynhild?
HÖGNI
Die Braut des Königs.
SIGURD
Ich weiß, wer Brynhild ist.
HÖGNI
Verräter nennt sie dich. Und es ist wahr.
Verraten hast du sie, verkauft. Was bindet dich?
Dein Wort ist nur ein Wort.
Du brichst auch das Versprechen, könnte sein,
das du Burgund gegeben hast. Wer weiß es denn?
Ich wache über das Versprechen.
Und Gudruns Ehre ist in meiner Hut.
Burgund verrätst du nicht so leicht wie Brynhild.
Sie war dir zugetan. Ich aber rechne mit der Lüge.
Und ich vertraue nicht.
3. Grüß Gott
(Gunnar, der säuft und sich aufführt und singt)
GUNNAR
Ja ja der Wein, ja ja der Wein.
Der Wein muss es sein, der Wein.
Und dann in eine Frau hinein.
Mit Sack und Pack und ei so fein.
Der Wein, die Frau, die Frau, der Wein.
Burgunder Tröpferl. Ein Flascherl. Grüß Gott.
Und dann aufs Töpferl, ein Würschterl, grüß Gott.
Ja ja der Wein, ja ja der Wein.
Fein ist der Wein. Grüß Gott, Herr Wein, herein.
Herein herein.
(Högni kommt, sieht zu)
HÖGNI
Es ist genug.
GUNNAR
Noch lange nicht. Arschlöcher.
HÖGNI
Hör auf zu saufen und gib einen Frieden.
Gleich ist Hochzeit.
GUNNAR
Ich hab so Angst!
HÖGNI
Ich bin ja bei dir.
GUNNAR
Ja, du und Sigurd, ihr seid meine Stütze.
Sonst sind alle gegen mich.
HÖGNI
Sigurd?
GUNNAR
Er hat mir geholfen, das Weib zu schießen.
Eigentlich wollte ich sie gar nicht.
Aber jetzt, im weißen Fetzen. Hurra!
Den reiß ich ihr herunter,
drunter ist es bunter. Hurra!
HÖGNI
Wenn du besoffen bist,
schmeißt sie dich aus dem Bett.
GUNNAR
Dann hilfst du mir.
HÖGNI
Ich helf dir nicht.
GUNNAR
Dann hilft mir Sigurd. Er ist wirklich ein
lieber Freund. Mit ihm bin ich unverwundbar.
HÖGNI
Sigurd hat andere Sorgen und Pflichten.
GUNNAR
Wenn ich rufe, wird er springen.
HÖGNI
Er wird auf deiner Schwester liegen in dieser Nacht.
GUNNAR
Auf meiner blöden Schwester. Hurra hurra!
HÖGNI
Jetzt komm.
GUNNAR
Wohin?
HÖGNI
Ich bringe dich in eine Form.
GUNNAR
Wozu? Ich bin der König.
HÖGNI
Und wenn schon König. Komm!
GUNNAR
Ich will nicht.
(Högni ohrfeigt ihn, zerrt ihn weg)
4. Koloss
(Brynhild)
BRYNHILD
Flüchtend, ein Versteck zu suchen,
hereingeklettert – groß und schmutzig –
aus der Nacht wie aus dem Nichts.
In alten Zeiten, als die Helden
ihr in Blut getauchtes Fleisch dampfen ließen.
Das träumt. Träumt.
Drang ein, er drang ein.
Komm näher, kriech näher.
Blutiger Koloss. Koloss.
Ich leck dir deine Wunden.
Ruhe sanft, ruhe sanft.
Würg ich an dir, und spuck dich aus,
zwischen Aufgang und Niedergang,
und du fällst auf die Waage, die zerbricht.
Kriech näher, mein Freund,
hier bist du in Sicherheit. Sicherheit . . .
Hier ist niemand.
Wasch ab das Blut. Ich helf dir waschen.
Und stech dich, sauber und verbunden, zu Ende!
Komm komm! Sigurd!
In alten Zeiten, in der Nacht der Helden,
als die Erde schrie vor Schmerz,
dich trieb aus ihrem Schoß.
Und ich hab dich gebettet.
Gebettet zur Ruh.
Und ich bette dich wieder,
auf ewig, auf ewig.
Kriech kriech näher, Liebster,
ich saug dich ein, auf ewig auf ewig,
die Liebe ist ewig wie der Hass,
ein Gleiches, kriech näher.
In alten Zeiten, in der Mordnacht,
gerettet, verflucht,
die Blutspur endet in meinem Schoß,
dort bricht sie wieder auf . . .
5. Feuerleiter
(Sigurd. Brynhild)
BRYNHILD
Wer ist das? Sigurd?
SIGURD
Ja.
BRYNHILD
Erkennst du mich wieder?
SIGURD
Ich sah dich. Beim Wettkampf. Ich unterlag.
BRYNHILD
Ich unterlag.
SIGURD
Ja, du.
BRYNHILD
Und sonst?
SIGURD
Was sonst?
BRYNHILD
Weißt du nicht mehr . . .
SIGURD
Ich hatte es vergessen.
BRYNHILD
Vergessen?
SIGURD
Eine Wolke, die senkte sich mir auf das Haupt,
die Wolke des Vergessens. Im Kampf,
in dem ich einen Schatz gewann, den Ring,
verlor ich die Erinnerung an meinen Schwur.
Und erst, als du gewonnen warst für Gunnar,
hab ich dich erkannt.
Und kann nicht mehr zurück.
BRYNHILD
Sehr schöne Lüge.
SIGURD
Ich lüge nicht.
BRYNHILD
In Burgund, hier, im Exil,
trafst du das Pipimädchen Gudrun,
die blonde Fee, so weich und weiß,
so nah am Kapital. Wie eine Wolke
stürzte da dein Plan in dein Gehirn,
die Aktie zu ködern. Gedacht getan.
Und als es sich ergab,
mich zu verraten für die Transaktion,
da hast du mich verkauft.
Der Liebe Preis: Verrat. –
Vergessen willst du deine Schuld.
Und es gelingt.
SIGURD
Du weißt nicht, wie ich leide.
Kann ich sie verlassen? Sie vertraut mir.
Und Gunnar hintergehn, der mir,
dem Fliehenden, Exil gewährt und Achtung?
Nicht ein Fremder bin ich hier, mehr als ein Gast.
BRYNHILD
Komplize! – Ich hab dir auch vertraut.
SIGURD
Es tut mir leid.
BRYNHILD
Und weiter?
SIGURD
Verloren, du, für mich. Ich schäme mich.
Ich kann ja nichts dafür, der Kopf war leer,
nur ganz verschwommen, wie eine Frage,
im Rauch: du warst das, ich weiß es jetzt.
Und dennoch schäm ich mich.
Ich kann nicht schlafen in der Nacht,
ich schreie vor Leid und Wut. Zerschlagen
möcht ich alle Pflicht mit einem Hieb
und mich in deine Arme stürzen.
BRYNHILD
Stürzen. Von Vergessen zu Vergessen.
SIGURD
Verzeihst du mir?
BRYNHILD
Nein. –
(Pause)
Ich hab dich nicht gezwungen.
Nichts um irgendeinen Preis gewährt.
Nicht verlangt, dass du mir Liebe schwörst.
Liebe braucht keinen Schwur.
Verwundet warst du, stumm,
als du durchs Fenster gekrochen kamst,
über die Feuerleiter in mein Bett.
Ich pflegte dich.
Ich nahm dich auf als Freund, als Mann.
Und meine Liebe: ein Geschenk, ein Ganzes,
ohne Vorbehalt. Ich wusste,
dass du wieder gehst, und wusste,
du kehrst nicht zurück. Da schwurst du eilig,
schon verkleidet für die Flucht,
und sagtest: heilig sei der Schwur und ewig.
So jämmerlich. Es hat mich oft erheitert,
die Erinnerung daran.
Ich brauchte keinen Schwur und keine Ewigkeit.
Und ich vergaß dich nicht.
Und wie erstaunt ich war,
als ich dich kommen sah zum Wettkampf.
Du musst mich nicht erringen.
Du gehörst mir schon.
Ohne Versprechen, ohne Unterschrift
bist du mein Mann: so ist es.
SIGURD
Das hab ich nicht gewusst.
BRYNHILD
Dass ich nicht kämpfen würde, wusstest du:
drauf baute Högnis Plan. Dein Plan.
Das Unzerstörbare ist tot seither:
auch diese Liebe also,
der letzte feste Ort: er schlingert. Alles birst.
Nur eins bleibt unterm Strich, ein Bruchstrich,
eins, das alles teilt: der Hass. –
Flieh wieder, Sigurd,
und vergiss mich wirklich diesmal.
Ich bin nicht Gudrun und nicht Gudrun gleich.
Verfinstert sich in meinem Reich der Mond,
so kriecht die Seuche übers Land.
Ich bin nicht nur ein Weib,
das leicht zu pflücken,
aufzustellen irgendwo im Haus,
das man bespringt, beruhigt,
ein wenig unterhält.
Ich schlachte meinen König!
SIGURD
Solche Reiche gibts nicht mehr,
du phantasierst.
BRYNHILD
Ich bin die Königin, ich bin das Reich
und der Altar, auf dem geopfert wird,
das Land, in das das Opferblut einsickert.
SIGURD
Willst du zum Jahreswechsel
Gunnar schlachten?
BRYNHILD
Gunnar nicht. Ich meine nicht Burgund.
Dieser Leib ist alles, was geblieben ist
von allen alten Reichen. Ich habe selbst,
mit meiner Wissenschaft, zerstört das Hohe
und das Niedrige.
Ich habe alle Grenzen überwunden.
Den Schweiß.
Was Männern schmeckt und Frauen bindet.
Ich weiß, was zählt.
Wir reden nur und reden.
Und dennoch: in diesem Leib,
der in dem Netz nur eine Stelle ist,
Schnittstelle, Modem, Teil nur eines Codes,
der einen andern Code relativiert:
in diesem Leib wird einen Augenblick
das Murmeln still. Das ist der Augenblick:
wir sind angekommen, du und ich.
Der Hass greift zu. Das Schlingern endet.
Ein großer, hoher Augenblick.
SIGURD
Davon versteh ich nichts.
BRYNHILD
Du pflegst dein geiles Ich, ich weiß,
als Mittelpunkt der Welt. Du propagierst
das Individuum, und was du siehst,
denkst du, das ist. Es ist kein Mittelpunkt,
kein Zentrum. Nur der Rand, der
nichts umschließt. Ein flüchtiger Impuls.
SIGURD
Ich bin ein Mann!
BRYNHILD
Was ist ein Mann? Was ist
ein Mann allein? Es gibt nicht Männer, Frauen.
Nur Geflecht! Schnittstellen, wie gesagt:
wir, du und ich, sind nur dazwischen –
doch was es ist: das, jenes . . . unnennbar!
Nichts? Die Wahrheit? Nicht zu greifen.
Wahrscheinlich sind wir Abfall, du und ich,
ein Bündel, das herausfällt,
aus der Geschichte, die wir glauben zu erzählen.
Doch tun wirs nicht. Nein! Sie erzählt sich selbst,
vermutlich: nicht auf ein Ziel hin:
wirr und brüchig, ändert ihren Plan
an jedem Punkt, den sie erreicht:
nur Varianten. Aber wovon?
Was ist ihr Gegenstand? Ich weiß es nicht.
Und selbst der Tod ist nichts als eine Nachricht.
Komm also, Sigurd, lass uns das Bruchstück greifen.
So groß scheint es. Und nenn ich es,
so heißt es: Liebe und Verrat.
Es endet, endet für dich und mich dort,
wo die Welt verendend endet, während
sie weiterrollt, bevölkert von Helden wie dir,
die ihr mit Blut und Bomben
einen Sinn einschreiben: dies Geräusch.
Du bist mein heiliger König.
Dich will ich schlachten.
In deinem Blute wälz ich mich zu Asche.
Hörst du nicht, es prasselt der Holzstoß,
die Flammen lecken schon,
wir brennen schon, Sigurd, wir brennen:
und nichts, nichts, nichts mehr,
außer dem Knacken des Feuers,
kein Wind mehr, keine Angst mehr . . .
SIGURD
Verrückt . . . verrückt . . .
BRYNHILD
Ich liebe dich. Ich hasse dich.
SIGURD
Die Hochzeitsglocken. Hörst du nicht?
BRYNHILD
Wir brauchen keine Glocken.
SIGURD
Hörst du nicht? Du heiratest den König!
BRYNHILD
Dich . . .?
6. Wunde
(Gunnar)
GUNNAR
Die Hochzeitsnacht ist eine Pracht.
Der König lacht in der Hochzeitsnacht.
Geil wie ein Seil
und wirklich steil, die Hochzeitsnacht.
Eine Superfrau, ich bin ganz wild
und weiß genau: die Hochzeitsnacht.
Jetzt leg ich mich ganz offiziell
auf meine Alte und fick sie schnell.
Hurra hurra.
Die Hochzeitsnacht, der König lacht,
ich weiß genau:
ich hab jetzt eine Superfrau.
Hoffentlich geht alles gut,
ich brauche jetzt all meinen Mut.
Sie ist so schön,
ich bin so schön,
die Nacht ist mild,
es wird schon gehn.
(Högni kommt)
HÖGNI
Was ist? Hopp hopp!
GUNNAR
Ich bin furchtbar aufgeregt.
HÖGNI
Besoffen schon wieder.
GUNNAR
Nein, ich bin nicht besoffen.
Heiter, ja heiter. Aber nicht besoffen.
Und warum soll eine Hochzeitsnacht nicht heiter sein?
Ich weiß schon, eine Hochzeitsnacht ist was Ernstes,
es soll ja auch ein Erbe herausschauen,
das werden wir schon hinkriegen, sicher,
irgendwie, und es muss ja nicht gleich,
aber abwarten, vielleicht wirds ja gleich,
auf die Uhr geschaut und Monate gezählt,
und der Staat braucht einen Fortsetzer
an der Spitze, aber freuen darf ich mich doch,
ich spring doch nicht mit der Grabesmiene
auf die Alte. Schön ist sie, was? Wenn ich
das gewusst hätte, wie schön die ist,
hätte ich mich schon früher mit ihr geschossen!
HÖGNI
Und verloren.
GUNNAR
Wer weiß. Wer kann es wissen.
So schlecht war der Schuss nicht.
HÖGNI
Idiot!
GUNNAR
Wie redest du denn mit mir?
In den Staub! Küss mir den Fuß!
HÖGNI
Trottel!
(Er ohrfeigt ihn.)
GUNNAR
Au! Was machst du da!?
HÖGNI
Ins Bett jetzt, Feigling.
Oder ich geh statt dir.
GUNNAR
Das hättest du gern, was? Und dann
deinen Sohn als Erben ausgegeben, was?
HÖGNI
Allein bringst du sicher nichts zustande.
GUNNAR
Das werden wir noch sehen!
Das werden wir schon noch sehen!
(Von außen ein orgiastisches Jubilieren von Gudrun)
HÖGNI
Hörst du, deine Schwester . . .
GUNNAR
Darf sie denn das überhaupt, vor mir?
HÖGNI
Na, sag ihr, sie darf nicht!
Hopp jetzt! Los jetzt!
GUNNAR
Ich geh ja schon.
(Gunnar geht)
HÖGNI
(nach einer Weile; düster)
ICH hab die Aufsicht übers Ganze.
Befriedigt reib ich mir die Hände. Brynhild
im Netz und Sigurd; Schönheit, Kraft;
und neues Wissen, neues Kapital, etcetera.
Hier ich, der Mann, der alles ausgeklügelt,
der straff die Fäden hält in seiner Hand,
der alles sieht und hört und riecht und tastet,
schmeckt: dem nichts entgeht:
ich sitze fest im eigenen Netz. Nun ja.
Was ist die Liebe wert? Nur Überwältigung, Geschäft.
Ich weiß zuviel, drum sterb ich vor der Zeit
und geh als Hülle durch die Welt der Zwecke.
Der blöde Held liegt auf der blöden Blonden.
Der Trottel-König säuft sich Mut
und robbt auf einen Körper zu –
ein Körper, der . . . ein Körper . . .
(Er weint.)
Schönheit . . . und Klugheit . . . Wille . . .
Sie will mich nicht als Hund: ich läg zu ihren Füßen,
die Zeitung und das Holz, das sie mir wirft,
ich würds ihr bringen. Wegbeißen alle,
Tag und Nacht, von Null bis Null bis Null . . .
(Gunnar schreit. Er wankt zerkratzt herein und greint)
HÖGNI
Was ist? Misslungen, was?
GUNNAR
Sie lässt mich nicht.
HÖGNI
Du kannst nicht.
GUNNAR
Ich kann! Sie wirft mich aus dem Bett
und lacht. Ich schleich mich an und
stürze mich auf sie: sie wirft mich durch das Zimmer.
Und lacht und lacht und lacht!
HÖGNI
(lacht)
Na ja . . .
GUNNAR
Und du lachst auch, du alte Sau.
Hilf mir!
HÖGNI
Ich helf dir nicht.
GUNNAR
Du bist mein Kanzler.
Hilf mir jetzt.
HÖGNI
Das ist nicht Kanzlerarbeit.
Du bist der König, sie ein schwaches Weib.
GUNNAR
Ein schwaches Weib? Dass ich nicht lache!
HÖGNI
Dann lach doch. Jeder lacht. Heitere Nacht.
(Brynhild kommt.)
BRYNHILD
Wo bist du, lieber Mann, mein König.
Komm, wir feiern! Die große Liebe, was?
die nimmt jetzt ihren Anfang!
GUNNAR
Jetzt will ich küssen.
(Er versucht, Brynhild zu küssen, sie stößt ihn weg, auf Högni zu, der ihn ohrfeigt)
Sigurd! Sigurd! Sigurd hilf! Hilf Sigurd!
Sigurd wird helfen. Er ist mein Freund,
er hilft mir immer. Er ist stark.
Er hat keine Angst. Und von euch beiden,
das merk ich mir, dass ihrs wisst! –
Sigurd! Sigurd!
HÖGNI
Sigurd ist beschäftigt.
GUNNAR
Sigurd hilf!
HÖGNI
Mit deiner Schwester, weißt du noch:
die Hochzeitsnacht, die Nacht der Heiterkeit.
GUNNAR
Sigurd!
HÖGNI
Was kann er für dich tun?
GUNNAR
Ich weiß es nicht. Er wirds wissen.
HÖGNI
Gegen Impotenz hat er kein Kraut.
GUNNAR
Ich bin nicht impotent, ich bin der König.
(Sigurd kommt, zerzaust.)
SIGURD
Was ist passiert?
HÖGNI
Gar nichts.
SIGURD
Deine Schwester, Gunnar – deine Schwester,
hui, ist ein Vulkan und unersättlich. Hurra.
GUNNAR
Hurra –
SIGURD
Hurra!
GUNNAR
Du sollst mir helfen.
SIGURD
Wobei?
HÖGNI
Beim Liebesakt.
SIGURD
Tips brauchst du?
GUNNAR
Ich brauche keine Tips. Ich weiß, wies geht.
Sie lässt mich nicht und lacht.
SIGURD
Sie lässt dich nicht? Nun ja . . .
GUNNAR
Hilf mir!
SIGURD
Und wie?
GUNNAR
Bändige sie, bändige sie!
SIGURD
Und wie?
GUNNAR
Ich weiß nicht wie.
Wie soll ich wissen wie?
SIGURD
Ich bin erschöpft.
GUDRUN
(von außen)
Siiiiguuuurd . . .!
SIGURD
Hörst du? Ich hab schon eine
Frau im Bett, sie ruft nach mir.
GUNNAR
Jetzt rufe ich. Du hast mir schon geholfen,
sie zu schießen, jetzt hilf mir weiter.
SIGURD
Bist du betrunken?
HÖGNI
Schwer.
GUNNAR
Nein!! – Ich gehe jetzt ins Bett und warte.
Bändige sie und schick sie, wenn sie folgsam ist.
Ich bin der König.
(Gunnar geht, mühsam)
SIGURD
(grinst)
Er ist verrückt. – Brynhild,
was tust du mir denn an?
BRYNHILD
Was ich dir antu?
SIGURD
Du hast doch ja gesagt heut in der Kirche.
BRYNHILD
Ich hab gelogen.
SIGURD
(zu Högni)
Lass uns allein. –
Ich bitte dich darum.
HÖGNI
Ich lass nicht zu, dass du . . .
BRYNHILD
Lass uns allein. Was ich nicht will, geschieht nicht.
SIGURD
Weißt du nicht ein Mädchen, das sich zu Gunnar legen will?
HÖGNI
Wir führen hier kein Hurenhaus!
SIGURD
Frag doch die Weiber! – Im Dunkeln merkt er nichts.
BRYNHILD
Frag, bitte. Ich bezahle.
HÖGNI
Gut.
(Högni geht)
SIGURD
Du liebst ihn nicht, ich weiß schon.
Lass ihn fummeln. Das genügt ihm schon. –
Es ist kindisch. Was ist das denn für eine Rache?
Mich triffst du damit nicht.
BRYNHILD
Ich habe keinen Plan. Mich ekelt!
(Pause)
Ich werd ihn mir vom Leibe halten. Doch
glauben machen, dass ich gezähmt bin.
SIGURD
Na gut. Dann ist das ja erledigt.
BRYNHILD
Nichts ist erledigt.
SIGURD
Fängst du wieder an?
BRYNHILD
Das wirst du nicht vergessen,
was du vergessen willst.
SIGURD
Ich will gar nichts vergessen.
Ich kam durchs Feuer in der Nacht
und traf dich schlafend an.
Ich weckte dich und schwur dir Liebe, Treue auch.
Und vergaß vorübergehend diesen Schwur.
Und lernte Gudrun kennen währenddessen. –
Sie liegt in meinem Bett, ist meine Frau.
BRYNHILD
Du kamst durchs Feuer, als ich schlief?
SIGURD
Ja. Wars nicht so? Ich weckte dich.
Der erste Blick war Liebe.
BRYNHILD
Du kamst verwundet.
SIGURD
Unverwundbar bin ich.
BRYNHILD
Der erste Blick war Angst und Mitleid.
Ich pflegte dich.
SIGURD
Ich weckte dich.
BRYNHILD
Ich habe nicht geschlafen.
SIGURD
Wie auch immer. Jedenfalls der Schwur,
den du mir vorwirfst.
BRYNHILD
Ich hab ihn nicht verlangt.
SIGURD
Ein Versprechen, das Begehren,
in Ehe, Treue zu verwandeln.
BRYNHILD
Ich fragte nicht danach.
SIGURD
O, diese Sehnsucht, die sich
nicht verströmen durfte.
BRYNHILD
Sie hat sich verströmt.
SIGURD
O nein, ich nützte nicht den Schlaf,
den Augenblick der Schwäche.
BRYNHILD
Du warst schwach. Ich pflegte dich gesund.
Dann . . . Alle Welt und alle Pflicht war fern.
Ich weiß noch jeden Kuss. Und jeden Schrei.
SIGURD
Du träumst.
(Stille)
BRYNHILD
Die Wahrheit . . . wahr ist, was erzählt wird . . .
Komm, Sigurd, ich bin nackt.
Noch eine Rose in der Hochzeitsnacht.
Auch das wirst du vergessen. Komm.
Das Abschiedsfest. Bevor die Drohung greift.
Die Rache, süße Rache.
Bevor ich dich vernichte, komm.
(Brynhild hat ihr Kleid geöffnet, und Sigurd zieht es zu ihr hin. Er umfängt sie. Sie ficken)
Es geschieht. Es geschieht nicht.
Die Wolke des Vergessens . . . Nebel . . .
SIGURD
Ich komme – gleich . . .
BRYNHILD
(stößt ihn weg, er stürzt)
Nein! Du wirst dich wieder brüsten!
SIGURD
Ich liebe dich!
BRYNHILD
Ich weiß.
Unverwundbar: Sigurd. Ich kenne deine Wunde.
7. Sumpf
(Brynhild. Högni)
BRYNHILD
Jetzt hast du mich soweit.
Jetzt bin ich an der Arbeit.
HÖGNI
Ich habe nur Fragen gestellt.
BRYNHILD
Die richtigen Knöpfe gedrückt.
HÖGNI
Ich weiß, ich ändere mich nicht.
Ich bin der Kanzler. Immer.
Auch wenn ich lächle,
wenn ich Schmerzen empfinde.
Ich komme nicht heraus aus der Funktion,
auch wenn ich will.
BRYNHILD
All diese Leiden. Wozu?
HÖGNI
So ist das nun einmal.
BRYNHILD
Das lebt so schwer. Das ist nicht heiter.
HÖGNI
Du bist es auch nicht.
BRYNHILD
Ich leide aber nicht am Wohlstand,
an der Wohlfahrt und nicht am Optimismus,
den ich treibe. Nicht an der Freiheit.
Glück verheißt du und bist stumpf.
Ich will töten!
HÖGNI
Wozu? Alles ist glatt.
BRYNHILD
Nichts ist glatt. Nichts ist erledigt.
HÖGNI
Zerstöre nicht die Harmonie!
Es funktioniert. Das Land ist ruhig, gedeiht.
BRYNHILD
Ruhiggestellt. Die Freiheit des Gehorchens.
HÖGNI
Nun ja. Ja.
BRYNHILD
Du ebnest alles ein und nennst es Glück:
es ist nur eine Fläche, nur ein Brei, ein Sumpf.
Du versinkst darin wie alle: keiner ragt mehr
aus dem Sumpf. Warum, glaubst du,
hab ich mein Wissen nicht benützt?
HÖGNI
Der Fortschritt, Brynhild,
ist nicht aufzuhalten.
BRYNHILD
Wir schreiten fort! Wohin?
Und du betreibst das eifrig. Was?!
Das Ganze. Ganz den Tod. –
Wo sind die Helden? Stumpf.
Du machst sie stumpf mit deinem Zweck.
HÖGNI
Ich brauche keine echten Helden.
BRYNHILD
Nur das Gerücht, ich weiß.
HÖGNI
Ja. Nützliche Geschichten.
BRYNHILD
Ein Rest von Chaos – nur das Raunen.
Ein Korn nutzloser Phantasie –
als Traum vom wundervollen Ich.
Und solcher Traum genügt sich selbst.
All diese Träume . . .
HÖGNI
Ja.
BRYNHILD
Und ich? Und Sigurd? Und du selbst?
HÖGNI
Ich bin kein Held. Und nichts.
Es geht durch mich hindurch.
BRYNHILD
Du treibst sie in die Schatten;
nur Untertanen. Aus Surrogaten ziehen sie
den Augenblick der Allmacht – gut geklonte Ichs.
Ich, sabbert es. Ich! Freiheit!
Sie fahren durch die Welt und ihre Spur,
im Sumpf, die bleibt nicht –
Fläche, schwappt über alles hin. –
Ich weiß nicht, ob ich Sigurd töten kann.
Ich weiß nicht, ob er existiert . . .
HÖGNI
Genug von den Subjekten. Sie verschwinden.
BRYNHILD
Ist er verschwunden?
Wenn ich ihn töten kann,
dann bleibt er.
HÖGNI
Er soll nicht bleiben.
BRYNHILD
Ich will meine Asche
vermischen mit seiner.
Und so verschwinden. Nicht irgendwie.
HÖGNI
Das ist doch dumm. Du lebst
und kannst genießen, dass du lebst.
Genieß es also!
BRYNHILD
Nein. Das gelingt nicht mehr.
8. Kraft
(Sigurd. Gunnar)
GUNNAR
Schenk ein, mein Freund, schenk ein.
Zwei Könige. Zwei Freunde.
SIGURD
Prost.
GUNNAR
Hurra. – Zwei Männer, Väter! Bald auch Väter,
sicher. Du bist ja sicher schneller dran als ich,
ich kenne dich. Du hast ja sicher vorher schon
mit meiner Schwester, gib es zu!
SIGURD
Ich hab gewartet.
GUNNAR
Nur geschmust?
SIGURD
Geschmust.
GUNNAR
Ich glaub dir nicht.
SIGURD
Högni hat aufgepasst.
GUNNAR
Högni, der Hund!
SIGURD
Er mag mich nicht.
GUNNAR
Und wer mag ihn?
SIGURD
Brauchst du ihn? Nimm ihm die Macht weg.
GUNNAR
Was? Nein nein.
SIGURD
Du bist der König.
GUNNAR
Ich mag ihn. O doch, ich mag ihn.
Ich bin froh, dass ich ihn habe.
SIGURD
Er behandelt dich wie ein dummes Kind.
GUNNAR
Der Hund!
SIGURD
Und du liebst ihn trotzdem?
GUNNAR
Er ist klug. Alles funktioniert.
SIGURD
Das kannst du auch ohne ihn. Ich bin sicher.
GUNNAR
Hilfst du mir?
SIGURD
Ich helfe dir.
GUNNAR
Trotzdem, ich weiß nicht.
SIGURD
Denk nach.
GUNNAR
Brynhild mag ihn auch.
SIGURD
Sagt sie das?
GUNNAR
Nein, aber sie sitzen zusammen
und arbeiten und reden,
ich verstehe gar nichts.
SIGURD
Sie ist klug.
GUNNAR
Ja, sehr. Schrecklich.
SIGURD
Das hab ich nicht gewusst.
GUNNAR
Was?
SIGURD
Dass sie der Schlüssel ist zur Größe.
GUNNAR
Ist sie das?
SIGURD
Högni wusste das.
GUNNAR
Siehst du, ich brauche ihn.
SIGURD
Brynhild ist wichtig. Nicht Högni.
GUNNAR
Und in der Nacht
gehört das kluge Weibchen mir.
Hurra!
SIGURD
Weibchen?
GUNNAR
Sie schmiegt sich gut.
Wie hast du sie gezähmt?
SIGURD
Ich hab mit ihr geredet.
Dass es so glatt geht, seltsam.
GUNNAR
So glatt, nun ja –
SIGURD
Erzähle!
GUNNAR
Sie will es nie bei Licht. Bei Licht
ist sie so spröd. Auch darf ich nicht zu ihr ins Bett,
wir liegen in getrennten Betten. So bleibt
die Liebe frisch, sagt sie. Ich komme
dann zu dir, sagt sie. Und löscht das Licht.
Dann legt sie sich zu mir
und küsst mich: gierig. Ah!
Ich liebe diese Nächte! O! Brynhild!
So weich! Und zarter scheint sie mir.
Und du, und du?! Erzähle du!
SIGURD
Wovon?
GUNNAR
Was machst du,
wenn es dunkel wird in deinem Bett?
SIGURD
Ich bete.
GUNNAR
Du betest?
SIGURD
Um Kraft bet ich.
GUNNAR
Fehlts dir an Kraft?
SIGURD
Sie ist so unersättlich, deine Schwester.
GUNNAR
Wie ich!
9. Gürtel
(Brynhild. Gudrun)
GUDRUN
Ich sehne mich nach ihm.
Zwei Tage ist er fort,
und schon bin ich verzweifelt.
BRYNHILD
Er ist ein Held. Er muss sich zeigen.
Und hin und wieder einen Drachen schlitzen.
GUDRUN
Ach, und ich fürcht um ihn.
So kindisch. Unverwundbar ist er doch.
BRYNHILD
Er ist nicht unverwundbar.
GUDRUN
Ja, eine kleine Stelle. Wer ihn dort trifft . . .
BRYNHILD
Und leicht zu treffen ist er dort.
GUDRUN
Keiner weiß den Punkt.
Und nur von hinten, feige Mörder –
BRYNHILD
Nicht hinten.
GUDRUN
Am Rücken, wo das Blatt . . .
BRYNHILD
Ein Feigenblatt. Doch nicht am Rücken.
GUDRUN
Was redest du?
BRYNHILD
Von seiner Wunde, seiner Waffe. Die
streckt er aus und kräht und lässt sich packen.
GUDRUN
Ich weiß nicht, was du meinst.
BRYNHILD
Ich mein das Ding, das du ihm kraulst
und tätschelst, saugst und küsst,
auf das du stundenlang dich spießen lässt.
Ich rede von dem Teil, mit dem er sich verströmt.
Und jede Ecke dieses Landes grast er ab
und sammelt Rosen.
GUDRUN
O, wie obszön!
BRYNHILD
Er findets angenehm.
GUDRUN
Du bist obszön! Weil er dich
hat zähmen müssen, beschimpfst du ihn.
BRYNHILD
Er hat mich nicht gezähmt.
GUDRUN
Er nahm dir deinen Gürtel ab.
Ich trag den Gürtel nun!
(Sie reißt ihr Kleid hoch, drunter ein Jungferngürtel. Brynhild lacht)
Du lachst? Undankbare!
BRYNHILD
Das süße Gürtelchen. Damit du
ja nicht abirrst von dem Tugendpfad.
Ich trug den Gürtel nie.
So kettet er dich an sich. Arme Blöde.
(Gudrun schlägt nach Brynhild, die lacht und wirft sie zu Boden. Gudrun schreit Sigurd kommt)
SIGURD
Was ist denn?
GUDRUN
Sie schlägt mich.
BRYNHILD
Sie schlug. Ich stieß sie nur zurück.
SIGURD
Ja was denn nun?
BRYNHILD
Sie zeigte mir ihr Gürtelchen.
Ein süßes Schloss! Ja, alle Säfte hält der Gürtel fest
und spart sie für den Einzigen.
Wie ist die Liebe schön und hold,
wie eisern wird sie halten in der Klammer.
GUDRUN
Dein Gürtel, den er dir entrissen hat!
BRYNHILD
Wenn du das glauben willst . . .
SIGURD
(zu Gudrun, erbost)
Ich nahm dir das Versprechen ab,
dich nicht damit zu brüsten. So gehorchst du.
(Sigurd legt Gudrun übers Knie und verprügelt sie)
BRYNHILD
Lass sie!
SIGURD
Mein Frauchen, süßes Kind,
die schlag ich, wenn sie schlimm ist,
und dann ist sie wieder brav.
BRYNHILD
Du Idiot!
SIGURD
Sie braucht das. Ist dann ganz besonders nett.
BRYNHILD
Lass sie!
(Sigurd lässt Gudrun vom Knie gleiten. Gudrun weint)
SIGURD
Und merks dir.
BRYNHILD
Das ist dein Held!
GUDRUN
Was geht das dich an, was er tut mit mir?
SIGURD
Die Weibersolidarität, die funktioniert ja nicht.
BRYNHILD
Die Wahrheit – Gudrun! –
willst du hören? Was dieser Schläger treibt,
wenn er nicht gerade schlägt und schlitzt?
Und nicht gerade frisst und säuft? Der Hurenbock.
Der Hahn, der Bulle, Schlachtvieh: Sigurd!!
Dein Mann, der Mörder, Vergewaltiger!
SIGURD
Ich muss nicht vergewaltigen.
BRYNHILD
Freiwillig, sicher, freiwillig:
so heißt das ja in deiner Sprache.
Hats dir nicht Spaß gemacht, fragst du,
wenn du den Schrumpelkorken abziehst
und dich streckst. Noch schnell ein Tätscheln,
und dann wieder weiter. Blutrausch, Sigurd.
Alle schändest du:
schon dein Grinsen ist Gewalt.
SIGURD
Ich weiß nicht, was du meinst.
BRYNHILD
Durchs Feuer kamst du, weißt du noch,
und fandst mich schlafend.
Die Lohe überwunden, meinen Schutzwall.
Da lag ich, ausgeliefert: wehrlos.
Als ich erwachte, von einem Brennen
wurd ich wach. Auf meinen Knien lag ich,
mein Gesicht am Boden.
Aufgeschürft Gesicht und Knie.
Penetriert! Ein schlauer Stengel
rührte in mir um und um,
stieß und stieß, und wuchs noch,
spritzte und verfiel.
Und ich schrie. Da hast du mich gestreichelt.
Übers Haar. Und in den Arsch gekniffen.
Wars nicht schön, hast du gefragt.
War doch angenehm?
Und schwurst, ehe du abfuhrst, ewige Treue . . .
Das, Gudrun, ist dein Mann.
SIGURD
Sie lügt.
BRYNHILD
Und in der Hochzeitsnacht, in deiner, meiner,
da kam er wieder, die Stange aufgerichtet,
wund noch, nass von deinen Säften,
zwang mich zu Boden,
drehte mich herum und fing zu pempern an.
Ich mach dem Reich zwei Erben
in einer einzigen Nacht:
Mein Blut pulsiert fortan
in allen deutschen Königen!
Nur ein paar Tropfen aber
kamen aus dem ausgemolkenen Schweif.
Ein Rest des Heldenbalsams.
So tröpfelt er sich durch die Welt.
Was er anfasst, ist geschunden.
Der Held. Sigurd. Der Mann.
Dein Held und Mann und dein Betrüger.
SIGURD
Sie phantasiert.
Ich nahm ihr nur den Gürtel ab.
BRYNHILD
Betrüger. Mörder. Lügner.
Der so leicht vergisst.
(Gudrun flüchtet. Högni kommt rasch)
HÖGNI
Ein Renegat. Ein Dieb.
SIGURD
Du weißt, sie lügt.
HÖGNI
Warum sollte sie lügen?
BRYNHILD
Das ist mein Mord, Högni.
HÖGNI
Deine Interessen sind Burgunds Interessen.
Was dir angetan, ist dem Reich angetan.
Vom Gast gebrochen und verspielt
die Gastfreundschaft. Strafe fordert das!
Wer sich vergreift, muss büßen. Ich klag dich an,
Sigurd! Im Namen des Staates.
BRYNHILD
Ich habe nicht gerufen
nach dem Staatsanwalt.
HÖGNI
Der Staatsanwalt ist da. Du wirst dich fügen.
BRYNHILD
Ich widerrufe vor Gericht.
HÖGNI
Warum?
BRYNHILD
Ich will ihn, ich! Nicht für Burgund.
SIGURD
Ihr seid beide verrückt. Unbedingt.
Märchenerzähler.
Euch zerquetsch ich doch wie nichts.
Ich hab den Ring. Ich hab den Schatz.
HÖGNI
Gestohlen!
SIGURD
Gestohlen, richtig. Und?
HÖGNI
Angeklagt. Als Räuber, Hochstapler . . .
BRYNHILD
Nein. Högni!
HÖGNI
Ich will es!
BRYNHILD
Als Kanzler, als Ökonom, als was, Högni?
Du bist es nicht, du handelst nicht.
SIGURD
Ich hab den Ring!
BRYNHILD
Hast du den Ring? Drehst du am Ring?
Der Ring ist nichts. Es gibt den Ring nicht.
Und den Schatz nicht. Nichts, nichts ist so,
wie es scheint, und alles Schein, was ist.
Hast du mich vergewaltigt?
Nicht in jener Nacht, als du gekrochen kamst.
Nicht in der Hochzeitsnacht, als ich das Kleid hob.
Und doch jedesmal. Und jetzt.
Mein Schicksal: Sigurd. Mein persönlicher Tod.
Ein Witz, ein Held, ein Fliehender.
Geh, lass dich prügeln, geh in dein Schlafzimmer,
lass dich streicheln, Idiot,
genieß dein Leben noch ein wenig,
bevor ich dich verbrenne. Morgen,
vielleicht schon morgen, Idiot, mein Held,
besauf dich noch einmal mit deinem Freund,
dem König, meinem Mann,
und stähle deine Muskeln, Mörder,
hast du einen Drachen bei der Hand,
üb dich an ihm, mit Feueratem lass dich blasen,
unverwundbar noch das letzte Stück,
versuchs: wie nützlich sind doch Lügen, Träume,
gut erzählt, für dein verfluchtes Leben.
Oder flieh, weit fort, ins ewige Eis,
oder lass dich ausspucken von einem Vulkan,
zum Mond vielleicht: dort ist die Einsamkeit
ein schöner lieber Zustand,
dort lebst du starr und steif
.Und niemand wird dein blödes Grinsen stören
unterm Astronautenhelm.
Noch einmal atme verseuchte Luft.
Noch einmal tätschle die dumme Gans:
sie liebt dich wirklich, deinen Eselsschwanz,
dein Blöken, dein Gegacker.
Und bete, Sigurd, um Kraft, ein letztes Mal.
Dann auf zum Mond. Zu Asche, zu Asche . . .
SIGURD
Blöd . . . zu blöd . . .
(Er geht)
HÖGNI
Dein Plan ist lächerlich.
BRYNHILD
Was für ein Plan?
HÖGNI
Dass du ihn töten willst,
und du erzählst ihm immerzu davon.
Er wird sich schützen.
BRYNHILD
Kann sich nicht schützen.
Wird sich nicht schützen.
Keine Angst, Högni, ich werde dich befreien
von allen Subjekten, die du nicht
verschwinden lassen kannst.
Das ist mein Beitrag für den Fortschritt.
Letzte Schreie. Die Resignation . . .
10. Burgunder
(Weinprobe. Alle: nehmen einen Schluck, kosten mit Schmatzen, spucken aus. Gunnar trinkt)
GUNNAR
Ein toller Jahrgang.
Rühmen wird man dieses Jahr.
Seit Jahren das beste Jahr.
Ein wunderbares Tröpferl.
Und kein Kopfweh.
(Er trinkt gierig)
11. Das Amt
(Sigurd. Högni)
SIGURD
Du wirst alt, Högni. Falten.
Die Augen lassen nach, schon zwinkerst du.
Ein Mann, verdorrt in seinem Amt.
HÖGNI
Willst du an meine Stelle?
SIGURD
An deine Stelle? Nein.
Über dich hinaus: ein Leichtes.
Gunnar ist wie Wachs.
HÖGNI
Nicht einzelne herrschen in Burgund.
SIGURD
Ich bin der Schwager. Ich bin Sigurd.
HÖGNI
Du bist ein Rest. Wer wird
sich um dich kümmern: keiner.
Dein wildes Spielen: Sigurd am Abenteuerspielplatz.
Eine Figur: sonst nichts.
Wie Gunnar, nur ein Schatten. Wie ich selbst.
Nicht ich, der Mann, der Held, ich bin kein Held,
das Amt ist das, was zählt.
Was machst du hinterm Bildschirm?
Zwickst du ihn und schlitzt du ihn?
Du treibst dich doch herum, nur weiter so.
Ich kann dich nicht belangen, so benütz ich dich.
Und ich: das ist nicht dieser Körper.
Das Auge flackert, droht zu brechen.
Und Angst, dass ich erblinde. Doch das ist wenig.
Nur die Hülle sterblich. Ich bin das Amt.
Mich bestimmt das Amt.
Dran beißt du dir die Zähne aus.
SIGURD
Das werden wir noch sehen.
HÖGNI
Schwankend Hoffnung, die sich
selber meint als Alles: gegen die Welt.
SIGURD
Ich schlag sie mir in Stücke,
leg sie zu den Schätzen.
HÖGNI
Wie lächerlich! In Stücken,
was nur als Ganzes nützlich ist.
SIGURD
Und Brynhilds Wissen.
HÖGNI
Ach, erkennst du das? Dass sie nicht
irgendeine Frau, irgend ein weicher Leib?
SIGURD
Das erkenn ich gut.
HÖGNI
Und willst es nützen. Am Zersplitterten.
An den Resten deiner Hiebe, den Kadavern,
die sich nicht mehr verwandeln:
zuviel Blut floss dir aus der Eitelkeit.
Du bist nur ein Gerücht, dem wächst ein Körper zu:
es bleiben nur Geschichten. –
Ja, ich bin alt. Und, ja, ich hasse dich.
Wen kümmert das?
Das bestimmt mein Handeln nicht.
Die Pflicht bestimmt mein Handeln. Das Prinzip.
Hoffst du auf Brynhild? Sie verachtet dich,
und töten wird sie dich.
SIGURD
Sie ist nur eifersüchtig.
HÖGNI
Ach.
SIGURD
Erzähl mir nichts von Weibern. Hysterie.
Streichle und schmeichle,
und sie liegen dir zu Füßen.
HÖGNI
Brynhild ist weise.
Und voll Leidenschaft.
Sie trägt die Bürde. Ihr allzugroßer Ernst . . .
Was red ich denn?
Wie sollst du das verstehen: Ignorant.
SIGURD
Versammelst du die letzten Säfte?
Liebe, alter Mann?
HÖGNI
Könnt ich lieben. Mir fehlt die Zeit.
Und einmal nur liebt diese Frau
und unterwirft sich nicht.
SIGURD
Sie hat sich unterworfen.
HÖGNI
Glaubst du.
SIGURD
Und wird sich wieder unterwerfen.
HÖGNI
Was für ein dummer, selbstgerechter Traum.
SIGURD
Du wirst es sehen.
HÖGNI
Deinen Untergang.
SIGURD
Das brennt dir beide Augen aus.
Das macht dich stumm und taub. Und hilflos
wirst du sitzen: ein gelähmtes Amt.
HÖGNI
Das Amt ist mehr als ich.
SIGURD
Ich weiß. Ich werde mehr sein als das Amt.
HÖGNI
Das füllst du nicht. Das ist
kein Zeitvertreib. Das wird dich fressen.
SIGURD
Ach.
HÖGNI
Das ist kein Drache. Kalt. Und blutleer.
Das laugt dich aus. Das überschwemmt dich.
Das vertilgt die Monster. Und die Helden.
Nur nach Nutzen fragt das Amt. –
Versuch es zu gewinnen. Ersticken sollst du dran.
An diesem Bissen, diesem Stück: am Ganzen.
Du fällst heraus. Und windest dich.
Du bist der Drache, der zugrunde geht.
Und unverwundbar ist das Amt, nicht du. –
Lach nur. Noch eine kleine Weile.
Spaß: such dir Zerstreuung. Genieß es noch,
in vollen Zügen: was dir bleibt: es bleibt dir nichts.
Du stirbst. Dann bist du tot. Und lebst
in den Geschichten als Gespenst.
Nun ja. Sonst nichts.
Mich wird man vergessen.
Und in den Spuren, die ich hinterlasse,
weiterstapfen. Ewig. Ewig.
Dann noch, wenn
alle Namen vergessen sind.
12. Mord
(Brynhild. Sigurd)
BRYNHILD
Grinst du?
SIGURD
Ich lächle. Traurig.
BRYNHILD
Als ob du trauern könntest.
SIGURD
Ich kann trauern. Ich kann lieben.
BRYNHILD
Zerstörst.
SIGURD
Das ist nicht wahr. Ich wollte es nicht.
Wenn ich geahnt hätte . . .
BRYNHILD
Was? – Was denn? – Dass ich so
unvergleichliche Geschenke hatte:
jetzt schaust du durch die Finger;
hast Burgund bedient,
den kleinen dummen Busenfreund,
Högnis Staat, sein Amt befestigt.
Nichts für dich. Dir bleibt die Drachenjagd
und das Geschwätz von Ringen, Schätzen,
Jungferngürteln. Dir bleibt das blonde Gift
und aller Ruhm der Welt. Genügt dir nicht?
SIGURD
Den Schwager überspiel ich, wenn ich will,
und Högnis Macht zu usurpieren:
wer will mich dran hindern?
BRYNHILD
Ich vielleicht.
SIGURD
Du bist auf Macht nicht aus.
BRYNHILD
Und kann dich hindern, sie zu greifen.
SIGURD
Vielleicht. Will ich Macht?
Ich habe dich verloren . . .
BRYNHILD
Nein. Der Schmerz. Die Liebe. Hass.
Der Racheschwur. Der Kleister hält.
Mich kannst du nicht verlieren.
Erst im Tod. Auch dann nicht.
SIGURD
Was heißt das?
BRYNHILD
Wir fallen aus der Zeit. Die neue Zeit
ist nüchtern. Von Helden nicht bestimmt,
schon lang nicht mehr von Frauen.
Ich, was jeder weiß, bin ein Relikt. Und du, du
findest keinen Platz mehr in der Welt der Zwecke.
Das Amt ist nicht dein Kleid.
Du trödelst noch, schlägst um dich
und machst Geschichten, Held.
Geschichte braucht Subjekte nicht.
Und langsam spricht es sich herum . . .
Fortschritt ist namenlos und grau.
Und keine Feste mehr.
Nicht Stiche, Hiebe, Schüsse braucht
der neue Mord.
Freundlich die Schlächter, pflichtbewusst
und tief durchdrungen von der Arbeit.
SIGURD
Ich glaube nicht, dass ich verstehe, was du meinst.
BRYNHILD
So bricht auch Liebe. Nur Verrichtung.
Und körperlos: ein Ei in der Retorte.
Uns, Sigurd, braucht bald keiner mehr.
Ein Zucken noch, und aus.
SIGURD
Liebe ist stärker als der Tod.
BRYNHILD
Ja, sag es nur, sag es noch einmal.
Das will ich hören: dass wir existieren.
Staunen will ich, wenn mein Leib sich windet,
schreien vor Qual und Lust,
stechen und reißen will ich und
zerquetschen und mich erinnern,
wie ich hegte, barg und tröstete.
Wie ich war.
Dass ich bin.
Hier, dieser Blick,
und alles andere wird
von dem Blick erschaffen.
So hab ich das gelernt
in deiner Zeit. Mein Sigurd.
Nicht mehr aufgehoben. Noch nicht verloren.
Scharf konturiert und deutlich.
Einsam und ich selbst.
SIGURD
Du bist nicht einsam.
BRYNHILD
So halt mich fest.
SIGURD
Ich halte dich. –
Du liebst mich noch.
BRYNHILD
Nein, nicht mehr.
Ich trete aus den Grenzen. Ich verschwimme.
In dich hinein. Komm, Öffnung:
jetzt bricht das Staunen,
und dem Blick ist nichts mehr deutlich.
(Sie greift in seine Hose. Er schreit)
SIGURD
Was tust du?
BRYNHILD
Ich zerquetsche dich.
(Er schreit)
Offen, ganz offen. Und stirbst.
(Sigurd schreit fürchterlich und stürzt. Ein Blutstrom ergießt sich. Högni stürzt herein)
HÖGNI
Ah! Du hast ihn umgebracht! Ah!!!
(Er umarmt sie, er küsst sie ab. Sie gibt sich dem einen Moment hin, entwindet sich)
13. Asche
(Sigurd aufgebahrt. Gudrun zu seinen Füßen. Högni. Brynhild)
GUDRUN
Liegst du, im Blute, von Mörderhand,
Sigurd, wer traf dich im Rücken,
liegst du, gefällt, von den Feinden des Vaterlands,
wer stach dir das Leben – wer wer . . .?
So endet, Traum, der Mann,
mein Mann, so endet endet . . .
HÖGNI
Die Erzählung. Es geht nicht an,
dass bekannt wird, dass du den Usurpator,
der ein Held ist, ein Gastfreund,
dass du ihn gefällt hast.
BRYNHILD
Wer klagt mich an?
Ist niemand, der mich anklagt?
HÖGNI
Niemand. Das kommt nicht in Frage.
BRYNHILD
Mir gehört dieser Mord!
HÖGNI
Ja ja. Ein persönlicher Mord.
Aber zu künden vom Tod des Helden:
zerquetscht die Eier: das geht nicht.
Weil er geil war und unersättlich: das geht nicht.
Weil er blöd war und eitel: nein nein.
Was denn, die Wahrheit? Nein nein!
Was ist Wahrheit?
Wasch deine Hände, das Blut wasch ab, die Not.
Und leg Trauerkleider an: der Freund Burgunds,
der edelste, ist tot, gestorben.
Von feiger Mörderhand erlegt.
Wer will denn wissen, was er war:
ein grinsendes Stück Scheiße. Ein Idiot,
der mit dem Feuer spielte und mit Waffen,
der schoss und stach und zündelte,
der sich bahnte seinen Weg geradeaus,
der über Leichen seinen Ruhm begründet hat,
der keine Sorge hegte, nicht Verantwortung,
und Liebe nur als Gegenwert:
wer ihn bewundert hat, wer ihm sich unterwarf:
den liebte er, so hieß es, so wollte er es nennen.
Der einsame Kämpfer: wofür?
Für nichts und wieder nichts.
BRYNHILD
Ein Mann. Ein König. Ein Mörder.
HÖGNI
Der keiner Pflicht sich unterwarf,
der nicht dem Ganzen sich bekannte.
BRYNHILD
Der mehr war als der Staat . . .
HÖGNI
Mehr als der Staat ist niemand.
BRYNHILD
Der mich hoffen ließ auf einen Leib,
der nicht verschwindet. Weggefegt jetzt,
und ewig: Sigurd: der Held.
Für den kein Platz mehr war, ich weiß,
ich habe dein Geschäft erledigt. Und auch
für mich kein Platz mehr, auch für mich!
HÖGNI
Komm heraus aus der Geschichte: hierher!
BRYNHILD
Ich will trauern um den, den ich hasste.
HÖGNI
Den liebst du ja. Noch immer.
BRYNHILD
Lustmord, sagst du?
HÖGNI
Nein. Die Enttäuschung, und . . .
BRYNHILD
Enttäuschung? Schickst mich
in Zimmer Küche Kabinett, Högni, Fuchs!
Markiert hab ich mit diesem Mord
das Ende der Geschichte. Sigurd ist ewig:
als Toter: und ich bin ewig,
weil ich nicht zurückkehre in die Gegenwart.
Du kannst erzählen, was du willst.
(Gunnar, an einem Tisch voll mit Essen und Trinken, wird hereingeschoben; er frisst, säuft)
Siehst du ihn, Gunnar, den König,
wie er frisst und säuft. Anfrisst und ansäuft
gegen deinen Staat, den Sumpf der Zwecke.
Siehst du ihn, Högni:
Sigurds Getändel und Geschlitze,
mein Mord, sein Fressen und Gudruns Heulen:
das sind noch Stimmen gegen dein System:
das nur noch Bilder macht:
doch niemand wird die Stimmen hören,
als wir hier, eine Weile. Sie verklingen.
Und es bleibt die Nachricht.
Erzähle, was du willst: die Wahrheit
existiert nicht mehr
in deiner Welt, die ich verlasse.
(Sie zündet Sigurd an und legt sich zu ihm ins Feuer. Gudrun schreit)
14. Das Auge
(Högni, der Asche in eine Urne schaufelt. Gudrun in einer Ecke am Boden. Gunnar frisst und säuft noch immer)
HÖGNI
So so. Ja ja. Die Nachricht von diesem Tod:
des Mannes und der Frau: Paradigma von Liebe
und Verrat und Hass und Liebe und
von Tod und Leben und von Feuer, Asche,
was weiß ich: die Nachricht ist verbreitet:
diese jene: und ich als Sigurds Mörder eingesetzt:
so stehl ich ihr den Mord
und mache mich ihr gleich:
ich das Subjekt, das ich nicht bin:
in meiner Nachricht ich der Mann, der handelt:
sollen nicht Weiber mich überspielen:
räch ich mich an der Frau,
die mich zurückgestoßen . . .
Oder was?
Dem Ausland könnt es nicht gefallen,
dass eine Königin den Gastfreund fällte,
auch wenn er schuldig ist. Ich opfere mich auf.
Und ich genieße meine Schuld.
Die hab ich selber eingeschrieben
in alle Bücher dieser Welt.
Und furchtbar bin ich
allen deutschen Generationen.
(Pause)
O, Brynhild
– wer bist du gewesen?
Was seh ich noch?
Ich schaufle Asche in die Urne.
Dann, wenn aufgeräumt und zugesperrt ist,
setz ich mich an die Maschine und tippe,
was ich weiß, und lasse mir berichten:
eingebaut . . . in diesen Bildschirm . . . ich?
(Er reißt sich ein Auge aus)
So bin ich gerichtet, eingerichtet: muss
Konturen nicht mehr sehen, Räume,
nur noch flach: die Welt ist flach.
Noch ein Murmeln: vor mich hin: ehe ich
gebraucht werde, von wem? Ich weiß nicht.
Ein Geräusch: mein letztes
nach dem angemaßten Mord:
wär ich, Brynhild, wie du,
wär ich dir nah gekommen,
wär mein Begehren
würdig geworden deiner Liebe,
dann: was dann?
Friss, Gunnar, heule Rotz und Wasser, Gudrun.
Oder tauscht, mischt die Rollen.
Schon trotten die Opfer heran:
bereitet: nicht von euch: ich bin das Amt,
ihr nur Irrläufer, Irrtum. Oder was weiß ich . . .
(Ende)



